Tagesberichte 2008

 

30.07.2008

Gemerkt? Genau! Eigentlich bin ich zu früh, denn es geht ja erst morgen  los. Aber da Vorfreude nun auch einmal sehr schön ist, kann ich es mir nicht verkneifen, hier schon einmal aktiv zu werden. Ein Jahr ist vergangen, so schnell, daß viele denken, sie seien erst gestern wieder angekommen. 

Was wird die Etappe dieses Jahr für uns bereit halten? Auf jeden Fall gleich zu Beginn eine weitere Steigerung. Waren wir letztes Jahr von den 45 Pilgern, eine von vielen nicht für möglich gehaltene Anmeldezahl, überrascht, so stellen wir dieses Jahr fest, daß der Virus "Pilgern" sich weiter verbreitet. Nachdem wir gestern noch 2 Anmeldungen reinbekamen, liegen wir Stand heute bei 58 Pilgern. Und wenn jetzt manch einer von euch sagt, daß das wegen des Buches von Hape Kerkeling ja kein Wunder sei, so sei er oder sie hier korrigiert: Den Bazillus haben alle Neuen von denen eingeimpft bekommen, die schon einmal dabei waren. Begeisterung steckt an!

Aber zurück zur diesjährigen Etappe. Michael Kenkel hat uns wohl eine Strecke ausgesucht, die uns durch viele Wälder führen wird und die sehr schön sein soll. Lassen wir uns davon und von den "Kenkelschen" Mehrkilometern überraschen. Und so wie aussieht, werden wir am letzten Tag den Pyrenaen wohl auf die Füße treten.  Da darf man gespannt sein.

Lassen wir uns überraschen, freuen wir uns auf schöne Gespräche und eine tolle Gemeinschaft und erinnere sich - wer kann - schon mal an die schmerzenden Füße!

(JR)

Etwas Statistik zum Tag  
NOCH SEHR ENTSPANNT

 

31.07.2008 + 01.08.2008

Inzwischen ist es 22:45 Uhr. Es ist spät geworden, bis wir endlich unsere Unterkunft gefunden hatten, geduscht waren und gegessen hatten. Aber der Reihe nach.

Wenn es eine Sache bei der alljährlichen Pilgerei gibt, die nicht wirklich ein Spaßbringer ist, ist es die Busfahrt.  Aber sie ist nun mal unvermeidbar. Gegen 20 Uhr ging es planmäßig von Beverbruch aus in Richtung Holdorf. In Anbetracht der ausufernden Wiedersehensszenen war damit beinah nicht mit zu rechnen. Aber hier zeigt sich, daß sich Pilgerseelen aufeinander freuen. In Holdorf gab es dann in der Kirche noch den obligatorischen Reisesegen, bis wir uns ganz der Autobahn verschrieben. Der Bulli mit Anhänger wurde parallel losgeschickt, um noch ein paar Pilgerei entlang der Autobahn aufzusammeln.  Tja und dann war da die Autobahn - und sie war lang und weilig. Deutschland, Belgien und Frankreich wollen halt erst einmal mit einem Bus bereist werden.  Ein kleines Highlight war, daß wir zur Abwechslung an Paris nicht nur vorbeigefahren sondern auch direkt rein (Hintergrund: Einer unserer Busfahrer mußte dort raus und fuhr mit der Bahn wieder in Richtung Heimat). Ganz schnell haben wir uns da dem französischen Fahrstil angepaßt und empfanden rote Ampeln nur noch als dekorative Randdekoration.  Einen schönen Gruß an dieser Stelle auch an A.H. aus N. Meint sie doch glatt im Bus sich die Fingernägel lackieren zu müssen. Wir wollen pilgern, keinen Catwalk langlaufen!!!!!

Am Freitag gegen 16:30 war es dann aber doch irgendwie endlich geschafft: Wir lagen vor Bordeaux. Voller Tatendrang wurden das passende Schuhwerk geschnürt und der Wasservorrat aufgestockt. Bananen und Brote fanden schnell den Weg in den Magen - es sollte endlich losgehen. Und dann war es soweit: Es hieß Pilgertempo! Es sei an dieser Stelle mal eine Frage gestellt: Merkt man eigentlich, wenn man seinen Rucksack nicht auf dem Rücken hat. Klare Antwort: Ja. Galt für alle, bis auf einen. Nach 500 Metern merkte unser Chief Pilgrim, daß er glatt genau dieses Stück am Bus vergessen hatte. Kein weiterer Kommentar. Aber so konnte diese Pause zur Kontaktaufnahme mit der französischen Bevölkerung genutzt werden, um die Toiletten zu benutzen.

Tja, was soll man zu dieser Etappe schreiben: Es sollten 17 Kilometer straight durch Bordeaux werden. Und jeder, der schon mal dabei war, weiß, daß Stadtetappen gar nicht gehen. Die zehren an den Kräften. Und dann fangen wir um halb fünf an, 17 Km anzugehen. Erstes Ziel war die Kathedrale in der Innenstadt. Schließlich wollten wir alle unseren Stempel im Pilgerausweis haben. Und den Überredungskünsten von Pastor Joe war es zu verdanken, daß das gute Stück extra noch einmal für uns geöffnet wurde, damit wir die Vesper dort beten konnten. An dieser Stelle noch einmal besten Dank. 

Wie es sich gehörte, gab es dann zum Ende der Etappe wieder eine kleine Ausreißergruppe, die sich den Tagessieg holen wollte. Aber was passiert mit solchen Gruppen schon mal? Sie rennen am Ziel vorbei. So auch heute. Wer zu diesen gehörte, wird hier nicht verraten (Der Autor will sich ja nicht selbst bloßstellen)

So, dann freuen wir uns mal auf den morgigen Tag. Es soll mit 31km die längste Tagesetappe werden, wobei noch nicht geklärt ist, ob der kenkelsche Aufschlag schon enthalten ist. Warten wir es mal einfach ab...

 

02.08.2008 - Samstag

Ein kleiner Nachtrag zu gestern: Den Tagessieg sicherte sich mit überlegter Leistung Ansgar.

Gefühlte Zeit vom hinlegen bis einschlafen am gestrigen Abend: 10 Sekunden. Fahrt und Pilgerstrecke forderten ihren Tribut. Und obwohl der Weckruf von Michael uns um Viertel nach Fünf erwartete, hielten es einige bis 1 Uhr durch.

Und der Weckruf kam. Zwar noch etwas zurückhaltend, aber unverkennbar. Automatisch erinnerten sich alte Pilgerhasen an perfektionierte Abläufe um in der zur Verfügung stehenden halben Stunde alles zu erledigen. So waren wir mit allem um 7 Uhr fertig und startbereit, um die 32km bis zum heutigen Tagesziel "Ville Du Barp" zu schaffen. Ausfälle gab es auch schon: Stella verstärkte bis zur Mittagspause das Küchenteam. A propos Stella: Ob wir wohl noch rausbekommen, was Stella angestellt hat, damit Ihre Eltern darauf Wert legten, daß sie mitpilgert? Nun ja, wir haben ja noch Zeit.

Das Tempo begann gut, obwohl sich durch die Gruppengröße häufigere Pausen nicht vermeiden lassen. Recht schnell raus aus der Stadt ging es schöne Waldwege lang. Und das Wetter, daß es letztes Jahr recht unbarmherzig mit uns meinte, ließ uns auch Zeit, uns wieder einzugewöhnen. Ein dichtes Wolkenband ließ erst gegen Nachmittag Platz für die Sonne. Leider ließ es sich nicht  vermeiden, daß wir nach ca. 8 Km einen weiteren Ausfall beklagen mußten. Theresa (nicht N.) hatte recht heftige Schmerzen in einem Knie, so daß wir den Bus als Taxi bestellten. Zum Glück hatte Sie ein Sudoku-Heft dabei, da es 2  1/2 Stunden dauern sollte, bis sie gefunden wurde.... Aber jetzt ist sie ja wieder bei uns.

Nach weiteren 12 trafen wir dann wieder auf unser Küchenteam, daß uns wieder mit dem gewohnt 1A Essen erwartete. Wie haben wir das alle vermißt: Frisches französisches Baguette mit Wurst, Käse, Tomate, Gurke, Röstzwiebeln und Ketchup. Einfach lecker. So ging es dann frisch gestärkt nach einem Gebet wieder auf die Piste. Inzwischen mit etwas Sonne aber dafür einem Weg, der bis zum Horizont (oder kurz davor) ging. Ist schon etwas deprimierend. Aber Abwechslung sollte folgen: Irgendwann stimmte das Kartenmaterial nicht mit den Gelegenheiten überein. Die Karte sagte zum Thema "Weg" ja, die Realität "Nein". So ging es quer durchs Unterholz, daß neben einen stacheligen Büschen auch Herscharen von Mücken für uns bereit hielt. Die Schulter von Cathy glich zeitweise einer Schatzkarte mit vielen Inseln. Anneka erklärte sich auch sofort bereit, den fehlenden Vamp-Stamp durch Ihren Fingernagel zu ersetzen, um den Mückenstich zu Leibe zu rücken. War wohl etwas schmerzhaft. Kurz darauf tauchte dann aber wieder ein Weg auf, der uns auch direkt zum Zielort führte. Und auch heute meinte ein Ausbrechergruppe (Sarah, David, Joe und Jörg) sich knapp 1,5 km vor dem Ziel mit gesteigertem Tempo absetzen zu müssen. Die Qualitäten lagen hier bei David, der sich den Tagessieg SOUVERÄN sicherte. Gratulation!

Die Unterkunft heute besteht aus einer leider etwas kleinen Judohalle, die leider nur 3 Duschen und 2 Toiletten bot. Aber genügsam muß man schon sein. Während diese Zeilen entstehen, hofft der Autor, daß das Küchenteam mal wieder ein fulminantes Essen zaubert. Denn heute waren es zwar schon über 30 km, aber es sind noch viele Schritte zu gehen...

(JR)

03.08.2008 Sonntag

Der Tag war ja gestern noch nicht vorbei. Die zurückgelegte Strecke waren schlappe 36km, fünf mehr, als vermutet. Führen wir also doch den "Kenkelschen Kilometer" wieder ein. Zum Tagesabschluß durften wir in der Kirche des Ortes einen Gottesdienst feiern und bei Cola, Bier, Wein und Schokolade und leider auch etwas Regen ließen wir ihn ausklingen. Erstaunlicherweise bekamen wir noch Nachwuchs. Auf einmal gesellte sich Jaqueline zu uns, eine recht attraktive Mittzwanzigerin. Komischerweise vermißten wir in der Zeit unseren Basti. Außerdem wurde noch ein Heiratsantrag verteilt (die Beteiligten werden jetzt vorsichtshalber nicht namentlich genannt), deren spontane Umsetzung die nächsten Tage erfolgen soll.  Das war es dann aber auch, also begaben sich alle nach und nach in die Horizontale.

Nachdem viele die Nacht aufgrund der Schnarcherei eines Mannes mit gelben T-Shirt (der Hinweis muß reichen) und einer absolut inakzeptablen Luft im Schlafraum mit recht wenig Schlaf verbringen mußten, kam der erlösende Ruf  "in 30 Minuten ist Laudes" von Michael. Auch bei den neuen hatten sich zwischenzeitlich die Tagesabläufe eingespielt und so waren wir recht schnell frühstücksfertig und das hieß Frühstück im Regen. Es hatte die Nacht durchgeregnet und bei dem engen Raum ließ sich nur draußen frühstücken. Aber auch das schreckte uns nicht.  Allerdings hatte der gestrige Tag doch einige Opfer gefordert, so daß sich das Küchenteam über einiges an Verstärkung freuen konnte. Angekündigt wurde der heutige Tag mit 25km, eine eher "lächerliche" Tagesetappe. Aber wer die Berichte der letzten Jahre kennt, weiß, daß es keine kurzen Etappen gibt. Das mußten wir mal wieder feststellen. Aber dazu später.

Bei einer dichten Wolkendecke ließ sich gut in Richtung Saugnac, dem heutigen Tagesziel, starten und Tempo und Stimmung waren gut. Eine gewisse Müdigkeit ließ sich allerdings nicht verleugnen, da der erste Kreisverkehr keinen zu einer Kreiselwertung animierte. Werden wir älter oder einfach gelassener? Bis zur großen Pause sollten es 17km sein, die wir auch ohne große Vorfälle absolvierten. Widerspruch wird es an dieser Stelle allerdings von C. aus H. (zumindest derzeit) geben, die recht schnell feststellen mußte, daß Füße, Muskel und Gelenke geschundener waren, als sie sich eingestehen wollte. So wurden wohl 15km bis zur Pause zur echten Tortur. Bei der Pause stellten wir dann fest, daß die Franzosen, zumindest die, die bei uns vorbeifuhren, recht freundlich sind, da uns viele hupend grüßten. Die "eigentlich" noch verbleibenden 8km nach der Pausen sollten dann recht locker runtergespult , so war zumindest unsere Meinung. Aber wie gerade schon geschrieben: Es gibt keine "kurzen" Strecken. Denn zum einen bestand der Weg auf längeren Strecken aus weichem Mullsand, der richtig Kräfte beim Gehen abverlangte. Zum anderen hatte irgendjemand die Entfernung nach der Pause falsch gemessen. Nicht 8 war die Zahl, sondern 14. Ein recht "unwesentlicher" Unterschied. Aber ist ja egal, der Weg will gegangen werden. Ach ja, das Wetter sei auch nicht vergessen: Geschlossene Wolkendecke und richtig schwül. Noch irgendein Kommentar?

War am Anfang des Tages noch eine Kreiselwertung ausgelassen worden, so war der Kampf um den Tagessieg bereits 3km vor dem Ziel am Gange. Nach vertrauenswürdigen Informationen teilten ihn sich heute: David, Fabian und Hendrik. Am Zielort wurden wir dann mit leckerer Wassermelone begrüßt. So etwas nimmt der ausgehungerte Pilgerer dankend an. Unsere Unterkunft besteht heute aus Zelten, die Betten gleich mit eingebaut haben. Also bleiben die Feldbetten da, wo sie sind. Außerdem kommen wir auf immerhin 7 Duschen. Warten wir mal ab, was der Abend bringt.

(JR)

04.08.2008 - Montag

Beim gestrigen Abendessen durften wir Frau Maerie-Lys Dumalet begrüßen. Der Name sagt keinen ´was? Den meisten von uns bis dahin auch nicht. Aber sie war es, die sich um unserer Unterkünfte in diesem Jahr gekümmert hat. Eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen wurde gerne angenommen. Wie es sich gehört, wollten wir dann zum Abschluß auch noch einen Gottesdienst in der Kirche des Ortes feiern. Dabei stießen wir auf ein unerwartetes Problem: Keiner wußte, wo der Schlüssel war. Da stellt sich die Frage, ob die noch nicht einmal zum abstauben reingehen. Traurig traurig. Weitere Gäste an diesem Abend waren dann noch ca. 300 Trilliarden Mücken. Autan war wichtig, aber nicht wirklich erfolgreich. So zierten zahlreiche Müchenstiche die Haut der Pilger am nächsten Morgen.

A propos nächster Morgen. Aufstehen, Laudes, Frühstück waren inzwischen sauber eingespielt. Allerdings hat unser Ärzteteam bei der Anzahl der Pilger inzwischen gut zu tun. Aber auch das ließ sich dann irgendwann schaffen und so ging es los. Ziel war der idyllische (das sei mal einfach behaupetet) Ort Labouheyre zu dem es geschätzte 31 km waren. Die Schätzung stellte sich auch als recht gut raus. Am Ende waren es dann 32km  - eine geradezu lächerliche Abweichung. 

Dieser Tag brachte auch einen Gewinner und Verlierer des Tages hervor. Der Gewinner ist eindeutig Torsten, der das Kreuz bei teilweise hohem Tempo den ganzen Tag alleine trug. Wie er in der Mittagspause zugab, betete er dazu einen Rosenkranz. Jetzt sollte mal dringend geklärt werden, ob das noch unter legales Doping fällt. Aber zum Verlierer: Hier präsentieren wir Bxxxx, der es schaffte, an dem einen Halt seinen Strohhut zu vergessen und an einem anderen seine Brille. Für die Brille ging er noch zurück. Am Hut erfreut sich jetzt jemand anders. Sein Rucksackpartner war froh, daß der Rucksack heil angekommen ist.

Inzwischen war übrigens Mittagszeit und die Sonne brannte doch recht hartnäcktig von oben auf unsere Köpfe. Erstaunlicherweise tat das dem allgemeinen Tempo keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Pilger schienen schneller zu werden. Der Weg hielt dabei eher weniger Überraschungen für uns bereit. Irgendwie sah unser Standardweg so aus: Geradeaus für ca. 2-3km, dann eine Kurve, hinter wieder ein lange Gerade lauerte. Auch Querfeldein-Wege (halt die kürzeste Verbindung zwischen 2 Punkten) wurde nicht benötigt. Da einzige Highlight des Tages war ein ca.2 Meter tiefer Graben, den es zu überwinden galt. Da er auch noch trocken war, rang er den "alten Hasen" nur ein müdes Lächeln ab,. Gegen 15 Uhr kamen  wir bereits an unseren Zielort an. Den Tagessiegt sicherte sich nach einigem hin und her im Ort die gute Sarah, mit 11 Jahren die jüngste Teilnehmerin im Feld.. Da der Tag noch jung und der Atlanktik nah war, entschieden wir uns zu einem Ausflug dahin. Dieses erklärt auch, die etwas kurze Schreibweise. Bitte dies erst einmal entschuldigen. Der Autor möchte mit ;-)

So, wir sind wieder da. Was ist der Atlantik doch ein schöner Ort. Vergeßt die Nord- und Ostsee! Wellen findet ihr am Atlantik. Die 40km mit dem Bus waren schnell hinter uns gebracht und dann war es da, das Meer. Einfach wunderschön und alle Blasen und Schmerzen waren vergessen. Man kann das ganze ja auch mal medizinisch sehen: Entlastung für die Muskeln und Gelenke. Und das Salzwasser reinigt alle Wunden. Als wir dann zum Bus zurück wollten, stellten wir fest: Der war weg. Nach kurzer Suche fanden wir ihn dann wieder. Er mußte seinen Platz räumen, da ein benachbarter Karusselbesitzer um seine Einnahmen fürchtete und die Polizei rief. Als die anrückten fanden die allerdings nicht sofort einen Parkplatz und weg war der Bus. Hier sei auch mal der gute Siggi endlich einmal erwähnt: Unser Busfahrer. Rein wirklich nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen. Und da ratet doch mal, wo er uns wieder eingeladen hat. Direkt vor der Polizei auf den Bürgersteig und rein konnten wir. Stumpf!

(JR)

05.08.2008 - Dienstag

Oh Mann, es gibt noch etwas zum Montag zum Nachtragen: Ein Pilgermitglied hatte sich die Füße so wund gelaufen, daß er dringend zum Arzt mußte. Zum Glück fanden wir in unserem Ort noch um kurz vor Mitternacht einen Arzt, der sich der Sache annahm. Diese offene Wunde und die entsprechenden Schmerzen hielten ihn aber nicht ab, trotzdem sich vorzunehmen, weiter mitzupilgern. Zähne zusammenbeißen und durch. Wenn man schon von Beginn an dabei ist, dann soll das auch so bleiben.

Happy Birthday lieber Heiko! So schallte es dann am Morgen durch unsere Turnhalle. Heiko zog es auch dieses Jahr vor, seinen Geburtstag auf der Pilgertour zu feiern. Das sollte so bleiben!  Aber auch wenn er einen Ehrentag hatte, auch für ihn galt der morgendliche Weckruf. Es sollte aber nur eine Etappe von 21km werden. Da es diesbezüglich bereits einen derben Schnitzer gab, wurde mehrfach nachgerechnet. Aber es blieb dabei und am Ende wurde es bestätigt: 21km waren es. Aber wir wissen ja: Kurze Etappen gibt es nicht.  Da machte sich auch keiner etwas vor. Denn zum einen wurde es richtig heiß und zum anderen war der Weg, na ja, eher trist: Lange Strecken mal wieder stur geradeaus, ohne die Chance auch Schatten. Und dann noch ein Weg mit groben Schotter. Die Pilger, die sich am Morgen für Turnschuhe entschieden hatten, bereuten es. Jeder Stein - und davon gab es viele - drückte durch. Allerdings gab es auch wieder das Motto: Wo eine Gerade ist, da ist auch ein Weg. Aber wer zäunt auch Wälder ein? Bei uns darf man das nicht, also interessiert uns das auch nicht. 

Kurz vor unserem Zielort Morcenx trafen wir dann auch auf eine Pilgerstätte - so meinten wir zumindest. An einer Stelle waren viele Muscheln und ein paar Steine aufgeschichtet. Gut, mit Steinen kennt man das, Muscheln sind eher ungewöhnlich, aber was soll´s. Interessiert schauten wir uns es an. Allerdings verriet uns ein freundlicher älterer Mann dann, daß es sich lediglich um eine Ansammlung handele, die seine Enkelinnen aufgetürmt hätten. Und an dieser Stelle fragt man sich: Veröffentlichen - ja oder nein?

Um 13 Uhr waren wir dann auch schon am Zielort. Und dann passierte folgendes: Nichts. Scheinbar hatten die meisten Pilger ein dringendes Schlafbedürfnis. In Anbetracht der bisher gelaufenen Strecke, der kurzen Nächte und der Temperaturen auch nicht weiter verwunderlich.

So, ich gehe dann mal wieder schwitzen.

(JR)

06.08.2008 - Mittwoch

Da wurde wohl etwas vergessen. Der Tagessieger beschwerte sich, daß er nicht erwähnt sei. Das geht natürlich nicht und wird sofort nachgeholt: Einer unserer Michaels - der mit dem "B" im Nachnamen - sicherte sich den Tagessieg in einem knappen Endspurt mit Joe. Herzlichen Glückwunsch mit einem schlechten Gewissen. Ansonsten hatte der Abend auch noch was zu bieten. Der Gottesdienst wurde aufgrund der Temperaturen in der Kirche dorthin verlegt. Standhafte Mauern halt. Danach hatten wir noch 1 Stunde für uns Zeit. Eine Gruppe zog sich auch gleich in die nächste Kneipe zurück, um mal wieder zu testen, was eine vernünftige Biertemperatur ist. Das schmeckte glatt so gut, daß wir glatt zu spät zum Essen kamen - oder genau passend: Es war gerade Essensausgabe. Und da Chief Pilgrim bei uns war, waren wir auch entschuldigt.  Gegen Abend zog dann noch ein Gewitter auf, das uns dann irgendwann in die Betten zwang.

Wegen des angekündigten Wetters (heiß und wolkenlos) standen wir dann am Morgen eine halbe Stunde eher auf. Bloß der Sonne davonlaufen. Das Gemurre war zwar am Anfang groß, aber irgendwie kamen wir dann doch in die Füße. 31km sollten es sein und 32,5km waren es (das mal vorweggenommen). Das Gewitter vom letzten Tag hatte seine positiven Spuren hinterlassen. Es war recht neblig und kühl - super Pilgerwetter, bei dem man Tempo machen konnte. Nachteil: Durch die Feuchtigkeit waren Schuhe und Hosen schnell naß. Aber was soll´s. Das Tempo war dann sogar so hoch, daß die Pilgergruppe knapp 1 Stunde vor dem Bus am Treffpunkt war. Allerdings müssen das Küchenteam inkl. Siggi ja auch noch abbauen, durchfegen, Schlüssel abgeben, einkaufen und den Platz finden. Ist ja man auch nicht immer so einfach. Aber dann wurde halt erst ausgeruht und dann gegessen. Man muß halt nur flexibel sein. In der Pause kamen dann auf einmal Fluche von einer R.B. aus dem Wald. Sie war glatt barfuß in den Wald zum Austreten gegangen. Klar, daß da so verschiedene Sachen liegen, die pieken. Der aufmerksame Leser dürfte jetzt denken: "Mensch, das kenne ich doch?" Stimmt. Identisches ist letztes Jahr passiert. Da ist ja wohl jemand lernresistent. Nach der Pause lagen dann noch schlappe 12 km an, allerdings mit dem Haken, daß inzwischen sich die Sonne in voller Pracht zeigte. Sonnencreme hatte viel zu tun.

Und dann war es auf einmal wieder da: Der Weg war zu Ende. Da hieß es: Die Richtung des Ortes schätzen und ab durch den Wald. Wo ein Pilger, da auch ein Weg. Und sogar die Irritationen bei den Neuen hielten sich inzwischen in Grenzen. Spinnen, Dornen und Gräben stellen halt für einen echten Pilger keine echte Herausforderung da. 

Kreiselwertungen sind inzwischen übrigens nicht mehr aktuell, dafür hat sich der Endspurt zum einem echten Highlight entwickelt. Glatt 5 Pilgerer ließen sich dazu animieren. Wohin sie liefen? In Richtung Taller, dem heutigen Etappenziel. Den Sieg sicherte sich dann am Ende der gute Basti - zwar mit einer List, dafür mit Kreuz.

Für den Abend wurde dann schlechtes Gewitter angekündigt. Von Regen und Gewitter war die Rede. Daher wurde der Schlafort kurzerhand von einem Unterstand in einen naheliegenden Theatersaal verlegt. Nur ein harter Kern um Basti, Jens, Jörg, Ansgar, Torsten und Bruder Paul Andre stellte sich der Naturgewalt und blieb draußen. Während des Gottesdienstes in der Kirche des Dorfes konnte man durch die Fenster schon sehen, daß draußen was abging. Ein geradezu unglaubliches Gewitter. Bänke wurden passen nach draußen geschoben, um sich dieses Naturschauspiel anschauen zu können. In weiter Entfernung sah man Blitze einschlagen, die  man in der norddeutschen Tiefebene lange suchen muß. Als das Gewitter dann allerdings näher kam und der entsprechende Regen einsetzte, zogen sich doch lieber alle zurück. Glücklicherweise zog sich der Regen dann über Nacht zurück, dazu aber gleich mehr.

(JR)

07.08.2008 - Donnerstag

Schon der vorletzte Tag sollte es sein. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Unser heutiges Tagesziel war die Stadt Dax, die ca. 27km entfernt sein sollte. Da wir aber nicht genau wußten, wo unsere Unterkunft lag, konnten es auch locker mehr werden. Wurde es auch. Am Ende lagen wir bei 30km (das kann man wohl mal vorwegnehmen).

Der Weg führte uns durch schöner Wälder, wo das Laufen leicht fiel. Und es ging sogar schon etwas rauf und runter. Von ersten Ausläufern der Pyrenaen zu sprechen ist wohl etwas früh, aber immerhin. In einem kleinen Ort beteten wir dann in einem kleinen Kirche die Terz. Von soviel Einkehr deutlich gepuscht, nahmen Bernd und Jörg direkt anschließend mal wieder den Wettkampf der Kreiselwertung auf. Am Ende siegt Jörg, wobei er sich von Bernd den Vorwurf des "brutalen Wegcheckens" gefallen lassen mußte. Daß das von Jörg anders sah, muß wohl nicht erwähnt werden.  Der Weg führte uns dann weiter durch Wälder, allerdings mit dem Problem, daß viele Wege, die eingezeichnet waren nicht existierten und andere, die existierten, nicht eingezeichnet waren. Trotzdem haben wir uns nicht einziges Mal verlaufen. Wenn das keine Leistung ist.

Mitten im Wald erwartete uns dann auch unser Küchenteam. Auffallend war hier, daß immer mehr Pilger die Ruhe zu einem kleinen Schläfchen nutzen. Erste Ermüdungserscheinungen, ganz klar.

Wie es immer mit den Wegen durch Städte ist: Sie sind schwer und blöd. Man muß enorm aufpassen, sich nicht zu verlieren. An unserem Zielort, der Kathedrale, sind dann aber doch alle angekommen. Die belegten wir auch gleich mit Beschlag und beteten die Vesper. Der Kaplan, der unsere Pilgerausweise abstempelte, zeigte sich erstaunt, in Anbetracht einer solch großen Gruppe. Das hätte er noch nicht erlebt.  So etwas geht doch runter wie Öl.

Schnell erreichten wir danach unsere Herberge (Jens übrigens als Erster - Gratulation!).  Richtige Betten, vernünftige Duschen, annehmbare Getränke - der Abend konnte kommen.

(JR)

08.08.2008 - Freitag

Freitag Morgen. Der letzte Morgen! Das kann sich irgendwie noch keiner vorstellen. Wir sind doch gerade erst wieder losgepilgert. Aber leider war es traurige Wirklichkeit. Trotzdem schmeckte allen das Frühstück wie immer. Ließen sich da aber einige bewußt etwas mehr Zeit? Da gehen wir aber mal nicht von aus. 

Unterstützt wurde die Pilgertruppe heute von Rainer, der ja sonst eigentlich im Küchenteam aktiv ist. Da er aber immer mal wieder gerne mitläuft, wurde sein Posten von 2 aussetzenden Pilgern ausgefüllt. Da kann man mal sehen, was für einen tollen Job das Küchenteam macht. Da braucht es schon zweier Pilger, um einen aus dem Küchenteam zu ersetzen. Die heutige Etappe sollte uns über 31km zum idyllisch gelegenen Ort Lahontan führen. Die Vorhersage mit 31km paßte auch. Zum Abschluß machte  uns das Wetter leider kurz einen Strich durch die Rechnung, als es anfing zu regnen. Da ahnten wir nichts gutes. War allerdings nur ein kurzer Zwischenfall. Ansonsten bekamen wir Königswetter für die Königsetappe: leichte Sonne und einfach schön.  Auch die Landschaft wollte da nicht zurückstehen. Langweilige Fichtenwälder mit kilometerlangen geraden Wegen gab es nicht mehr. Schöne Mischwälder mit noch besseren Wegen sollten es sein. Sogar Palmen tauchten teilweise auf. Man merkt, daß wir Spanien auf den Pelz rücken. Und als wir dann aus einem Wald kamen und einen Blick wieder frei nach vorne hatten, konnten wir sogar die Herausforderung der wohl nächsten 2 Jahre sehen: Die Pyranaen tauchten mit 2 Gipfeln am Horizont auf. Bereits einige, zugegebenerweise vergleichsweise lächerliche Hügel lassen da was erahnen. 

Kostenlos zu essen haben wir übrigens auch noch was bekommen. Nachdem uns eine französischer Lieferwagen voll mit Baguette zum zweiten Mal überholte, blieb er am ganz vorn stehen und reichte plötzlich ein Baguette raus. Gibt es in einer solchen Situation etwas leckeres? Falls die edle Spenderin das auf diesem Wege lesen sollte: Nochmals vielen Dank. 

Nach der Pause lagen dann noch 10 km vor uns. Eigentlich war die letzte Etappe immer eher von Gemütlichkeit geprägt. Aber nachdem auch die Endspurte der  letzten Tage eher sportlich geprägt waren, sollte es auch heute so bleiben. Das Tempo war hoch.  Ziel war wie schon geschrieben der Ort Lahontan, genauer gesagt die Kirche mit kleinem Saal, was leicht außerhalb direkt an dem Fluß Garve sur le Pau lag.  Im Ziel angekommen, kannte die Emotionen dann keine Grenzen mehr. Ausgelassen gefeiert mit Wasserduschen merkte man keinem mehr die Strapazen der vergangenen Tage an.  Alle lagen sich begeistert in den Armen. Tut mir ja leid, aber solche Gefühle lassen sich hier einfach nicht beschreiben. Da muß man schon mitkommen.

Wie immer wurde der letzter Abend dann mal wieder etwas länger - die gute Laune kannte keine Grenzen. Das merkte man auch an dem Abschlußgottesdienst unter freiem Himmel, zu den sich auch 5 Dorfbewohner gesellten. Bei dieser Gelegenheit haben wir dann auch gleich mal das Quartier für die Startetappe des nächsten Jahres gesichert

So, was gibt es abschließend zu sagen: Es waren wunderschöne Tage. Alte Freundschaften wurden erneuert und vertieft, neue Freundschaften geschlossen. Das Wetter war schön, der Spaß kam nicht zu kurz und irgendwie wurden "nebenbei" auch noch beinah 230km zurückgelegt. Das klingt ja schon viel. Aber fahren sie mal eine solche Strecke mit dem Auto. Da brauchen sie schon eine Zeit lang für. Und dann kriegt man richtig Respekt davor

(JR)

 
22.06.2001 Lastrup 24 km - 23.06.2001 Handrup 36,1 km - 24.06.2001 Emsbühren 35,2 km - 24.06.2001 Gronau 33,8 km - 26.06.2001 Südlohn 39 km - 27.06.2001 Dingden 32 km - 28.06.2001 Xanten 18 km Gesamt 2001: 218,1 km - 23.06.2002 Geldern 23 km - 24.06.2002 Steyl 29 km - 25.06.2002 Heel 29 km - 26.06.2002 Born 25 km - 27.06.2002 Maastricht 26 km - 28.06.2002 Lüttich 29 km - 29.06.2002 Esneux 20 km - Gesamt 2002: 181 km - 20.07.2003 Glavier Station 25 km - 21.07.2003 Purnode 38 km - 22.07.2003 Givet 33 km - 23.07.2003 Couvin 34 km - 24.07.2003 Scourmont 21 km - 25.07.2003 Hirson 28 km - 26.07.2003 Le Fay 22 km - Gesamt 2003: 201 km - 31.07.2004 Marle 17 km - 01.08.2004 Laon 29 km - 02.08.2004 Soissons 42,5 km - 03.08.2004 Pierrefonds 34,5 km - 04.08.2004 Pont Saint Maxence 33,5 km - 05.08.2004 Baillon 31,5 km - 06.08.2004 St. Denis 34 km - 07.08.2004 Paris 15 km - Gesamt 2004: 236 km - 16.07.2005 Verrieres 25 km - 17.07.2005 Etréchy 31 km - 18.07.2005 Autruy-sur-Juine 32 km - 19.07.2005 Artenay 35 km- 20.07.2005 La Chapelle 31 km - 21.07.2005 Beaugency 25 km - 22.07.2005 Suervres 20 km - 23.07.2005 Chouzy-sur-Cisse 25 km - 24.07.2005 Chaumont-sur-Loire 10 km - Gesamt 2005: 234 km - 05.08.2006 Blèrè 32 km - 06.08.2006 Blèrè 0 km - 07.08.2006 Chambray lès Tours 37 km - 08.08.2006 Sainte Maure de Touraine 32 km - 09.08.2006 Châtellerault 42 km - 10.08.2006 Poirtier 33 km - 11.08.2006 Lusignan 32 km - 12.08.2006 Melle 28 km - Gesamt 2006: 236 km - Summe 2001 - 2006: 1306,1 km