Tagesberichte 2001

22.07 - Lastrup 23.07 - Handrup
24.07 - Emsbühren 25.07 - Gronau
26.07 - Suedlohn 27.07 - Dingden
28.07 - Xanten

 

22.07 - Lastrup

Beginn der Wallfahrt mit dem Abliefern der tonnenschweren Gepäckstücken in Garrel um 7.30 Uhr beim Johanneshaus. Noch sind alle Teilnehmer guter Dinge. Sie scheinen nicht zu ahnen, was da in den nächsten Tagen auf sie warten wird. Anschließend auf in den Garreler Dom zur Frühmesse, auf dem Altar unser Chef vom Ganzen, Vikar Michael Kenkel. Schon beim Schlusssegen erhält die übliche Formel, "Gehet hin in Frieden", eine völlig neue Bedeutung.

Schnell wird noch die örtliche Presse mit den nötigen Infos über die Wallfahrt versorgt, das obligatorische Gruppenfoto zeigt noch eine Meute motivierter Jugendlicher. Der Weg führt vorbei an winkenden Eltern, die immer noch nicht so ganz begriffen haben, warum sich ihre Kinder das eigentlich als Sommerbeschäftigung ausgesucht haben, Richtung Falkenberg. Die Temperatur liegt bei 22 Grad, Luftfeuchtigkeit bei geschätzten 68 %, mit Regen ist nicht zu rechnen.

Schon vor Falkenberg ist das Feld bedrohlich auseinander gezogen. Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters der Etappe geht an Kunibert, der auch die weiteren Tage gerne mal das Feld mit den Worten: "Jetzt leg mal `nen Schritt zu!" anfeuern wird. Anne Marks lässt bereits erahnen, dass sie es gelegentlich gemütlicher angehen lassen wird, sie erreicht knapp im Zeitlimit die Station. Noch dazu sorgt sie für den ersten echten Skandal zusammen mit Elke. Beide stoppen kurzerhand einen vorbeifahrenden Golf per Wegsperre und kommen so dem Ziel entscheidende Meter ohne Fußbetätigung näher.

Auch der erste Umweg lässt nicht lange auf sich warten, direkt hinter dem Golfplatz muss Michael auf einem Bauernhof die Lückenhaftigkeit seines Kartenmaterials feststellen: "Da ist aber ein Weg eingezeichnet!" Damit geht die Weigerung des Vikars einher, für sein Tun die Verantwortung zu übernehmen (auf das Bier wird noch gewartet...)[Dafür gab es am dritten Tag Eis für Alle, ist doch auch was Schickes! Anmerkung des Red.].

Ein Highlight nähert sich im Niemannsland vor Molbergen, als aus dem Nichts ein wohlbekannter Bulli mit dem zweiten Frühstück wartet. Lecker, lecker, so die einhellige Meinung. Doch schon beim Weitermarsch erkennen einige was in dieser Woche das Schwierigste sein wird: Nach einer solchen Pause die rostigen Knochen wieder in die Gänge zu bekommen. Zur allgemeinen Verwunderung schaffen es alle, erneut in Tritt zu kommen, der Tatendrang wird allerdings durch das Gebet der Sext in Molbergen unterbrochen, doch dann geht es trotz Regenschauer in Richtung Lastrup. 84% der Teilnehmer lernen nebenbei Matrum kennen, bei der darauf folgenden Urwalddurchschreitung (welch Karten...) lichtet sich das Feld eindeutig.

Der Finale Schlusssprint in die City of Lastrup endet mit einem sensationellen Vorsprung von Jens und Martin, womit das Sprintertrikot vergeben wäre. Über die Nachhut, die mit etwa 20minütiger Verspätung das Lastruper Licht des Pfarrheims erblicken, sei an dieser Stelle der Mantel des Schweigens gelegt. Mit dem Gebet der Vesper in der Lastruper Kirche endet die offizielle Aktion.

Viele nutzen die Gelegenheit zu einer ausgedehnten Vorstellrunde, nach vorangegangener Duschsession. Michael, Manni und der Schreiber dieser Zeilen stellen sich in Garrel hinter den Turbokopierer (geschätzte Kopien pro Stunde: 73). Die erstellten 549 Kopien werden dennoch in der Rekordzeit von 128 Minuten gezogen. Der Tag ist beendet, für die Teilnehmer ist wieder Stoff zum Singen und Beten vorhanden, was will das Herz mehr? Nachtruhe (PS: Wir hätten diese gerne genossen, allein meinten zwei männliche Teilnehmer, sie müssten den gesamten Baumbestand der Norddeutschen Tiefebene in einer Nacht zersägen.)

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23.07 - Handrup

Nach einer zugegeben etwas unruhigen Nacht und der Einsicht, dass in Lastrup die Bäcker noch ausschlafen können, geht es auf die Tour Richtung Kloster Handrup. Die Etappe bis Löningen verläuft erstaunlich gut und wir werden prompt gewahr, dass wir neben Pastor Böhmer Star in der MT sind. So schnell wird man berühmt. Unsere Pilgerung (welch Wortgeschöpf, Michael sei Dank!) nähert sich einem Waldstück an dessen Ende das Mittagessen am Fluss stattfinden soll. Leider lässt der Pfad kein pünktliches Essen zu, hier hätte selbst ein Amphibienfahrzeug seine lieben Schwierigkeiten. So kommen wir zu der Seilbahnkonstruktion, die Elke für diesen Tag zum Verhängnis werden soll. Todesmutig stürzt sie sich auf die nicht sonderlich sicher wirkende Einrichtung, während im Hintergrund Wetten abgeschlossen werden, ob Elke nicht doch reinfällt. Elke fällt, aber nicht in das kühle und braune Nass, was vielleicht noch freundlicher gewesen wäre. Nein, es zahlt sich die rückenfreie Bekleidung voll aus und sie landet rücklings in den Brennnesseln. Wahrlich kein schöner Anblick!

Trotzdem reichen die Kräfte noch bis zur Proviantaufnahme. Die geschilderte Episode soll nicht das einzige Highlight des Tages gewesen sein. Nach der Pause im Moor angekommen, nimmt die Juke-Box den Dienst auf und vertreibt damit anscheinend sogar lästige Bremsen und Mücken. Freundlicherweise fühlen sich selbst die Kreuzottern von dem Gesang so erfreut, dass sie sich lieber in die Bäche links und rechts des Wegesrandes verdrücken, anstatt uns zu malträtieren. Einigen Teilnehmern jagt jedenfalls ein gehöriger Schreck durch die Glieder, als sie von einem Torfstechermeister erfahren, dass es hier tatsächlich Schlangen gibt. Wie dem auch sei, nach dem Moor ist kein Schwund zu vermelden, sieht man einmal von den Hirnzellen ab, die unter der prallen Sonne, keiner Wolke am Himmel und geschätzten 35° Celsius den Dienst quittiert haben.

Die Strecken gehen unfreundlich lange geradeaus und als Motivationsspritze werden schon dubiose kleine Schilder an der Straße genommen, auf denen zwar Entfernungen angegeben sind, aber nicht woher und wohin... Als dann am Kloster angekommen wir noch um das Gebäude geschickt werden, müssen echt die letzten Reserven mobilisiert werden. Aber es wartet, wie auch in den folgenden Tagen, ein heller Lichtblick. Annegret und Siggi haben ein dampfendes, leckeres Essen zur Hand.

(LA)

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24.07 - Emsbühren

Die Nacht in den Klosterbetten hat allen Teilnehmern offensichtlich sehr gut getan. Die Füße und Muskeln hätten jedenfalls noch ein wenig mehr Ruhe vertragen können, aber der Aufbruch ruft. Die Bitte des Rektors am Vorabend, man möge nicht ganz so viel Krach machen, stellt sich als recht unbegründet heraus. Durch den dichten Nebel der emsländischen Tiefebene führt uns der Weg zunächst zum Saller See, an dem kurzerhand Michael in aller Frühe ein Eis für alle spendiert. Einige Dauercamper versuchen neben dem Genuss von Spirituosen zum Frühstück mit unmoralischen Angeboten, uns unser Kreuz für Geld abzukaufen, suchen beim geforderten Kaufpreis allerdings das Weite (alles Geizhälse und Heiden!). Doch anscheinend kommen wir heute nicht so recht in Schwung, nach wenigen Metern ist an der Stirnseite des Sees an einer Kneipp-Anlage wieder Pause. Wie sich herausstellen soll, wird der Nachmittag noch lang werden...

Vorbei an alten Kirchen (Thuine) wird noch schnell die ein oder andere Apotheke um den kompletten Blasenpflastervorrat gebracht. Wegen des schleppenden Anfangstempos wird es recht spät mit der Mittagspause. Der Weg führt uns weiter durchs das Emsland und in einem kleinen Ort sorgen wir bei einigen Senioren für das Gesprächsthema der nächsten zehn Jahre. Gegen 15 Uhr denken die Damen und Herren an nichts Böses, als wir mit zehn Pilgern die Kirche betreten und spontan ein Gesetz des Rosenkranzes mitbeten. Warum es allerdings unbedingt die glorreiche Version sein muss, bleibt ein Rätsel.

Der ortsansässige Biergarten hat leider wegen Reichtums geschlossen, so bleibt nur eine komplette Plünderung des Kühlschranks und der Eistheke des EDEKA-Händlers. Auf dem weiteren Weg durch eine Siedlung gibt uns ein freundlicher Anwohner einen spannenden Tipp. Der Weg quer durch die Prärie ist demnach zwei Kilometer kürzer, dafür geht es einige Kilometer an der Landstraße entlang. So weit, so gut, die Weide ist mit neuem Mut schnell erreicht, auch der Fluss ist schnell überquert, doch dann wartet das unfreundliche Finale.

Bei über 30 ° Celsius geht es kilometerlang nur geradeaus an der Landstraße entlang. Als endlich das Ortsschild von Emsbühren naht, folgt der nächste kurze Schock. Gefragt nach dem Weg antwortet eine Verkäuferin: "Wie sind Sie denn hier? Mit dem Fahrrad oder Auto?" – Antwort: "Zu Fuß" – "Oh, das ist aber noch ein ganz schönes Stück!" – Beängstigte Nachfrage: "Wie weit denn?" – "Och, so an die 500 Meter!" – Geschenkt!

Beim abendlichen Schwimmbadbesuch müssen wir einen furchterregenden Eindruck gemacht haben, jedenfalls erwarten uns ein ganzer Sack mitleidiger Blicke. Deprimierend ist nur, wenn selbst 80-jährige fröhliche pfeifend auf ihrem Handstock an einem vorbeiziehen.

(LA)

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25.07 - Gronau

Der Tag beginnt wie gewohnt um kurz nach fünf, erstmals sind nur noch 17 Wanderwillige im Angebot, nachdem Andrea und Stefanie am Abend zuvor den Heimweg angetreten haben und Kunibert auch mit Ausfallerscheinungen zu kämpfen hat. Zur Laudes wird ein Klassenzimmer besetzt, wie in der Schule üblich, kommt die Hälfte der schlaftrunkenen Gestalten zu spät.

Dennoch kann um kurz nach sieben Uhr zum Aufbruch geblasen werden, und wir legen ein rasendes Tempo an den Tag. So kommt Michael schnell zu seiner neuen, modisch gewagten Kopfbedeckung. Plötzlich taucht aus dem Nichts der Kurpark von Bad Bentheim am Ende eines Waldes auf. Die Frühstückspause wird kurzerhand um eine Stunde nach hinten verlegt. Zu diesem Zeitpunkt macht sich große Zufriedenheit unter den Läufern breit, angeblich sind 2/3 der Distanz bewältigt, es werden bereits die ersten Pläne geschmiedet, was man den Rest vom Nachmittag noch alles machen könnte. Doch erstens kommt es anderes als man zweitens denkt, so auch heute. Unsere Straße führt uns durch eine Wald, der Weg wird immer unwirtlicher und plötzlich erstreckt sich vor uns ein weites Moor.

Bereits nach wenigen Metern endet auch der letzte Schmugglerpfad, jetzt ist die Hilfe von Fachleuten gefragt. Unser Pfadi Timo hat freundlicherweise einen Kompass im Angebot, so dass grob die Richtung angepeilt werden kann. Manfred übernimmt samt Wanderstab die Spitze, um uns ein warnendes Beispiel zu sein, falls er versinkt. Es geht vorbei an Moorseen, Moorgras und Kreuzottern sowie fleischfressenden Pflanzen, doch erstaunlicherweise sind keine Verluste durch Versinken im Moor oder Bänderdehnungen durch Umknicken zu vermelden. Mit Sicherheit ein seltenes Ereignis, wer ist schon so beknackt und latscht durch ein Hochmoor. Letztlich bringt uns diese Aktion zwei Kilometer zusätzlich ein und der Geschwindigkeitsschnitt ist im Eimer. Ergänzend drehen wir noch eine Ehrenrunden (links-rechts-links-Kombination) durch den Wald Richtung Gronau, ehe uns ein Radfahrer die Hoffnung wiederbringt.

Noch 1500 Meter und tatsächlich, das Jugendheim taucht vor uns auf. Statt der angepeilten Uhrzeit von 15 Uhr ist es doch eher 17 Uhr. Mit letzter Kraft reicht es noch für den Weg zum Freibad, dort muss man sich von 4-jährigen Kindern eigenartige Kommentare anhören: "Mami, warum humpeln die alle?" Auf dem Weg in die Messe werden einige Teilnehmer sogar noch von 75-jährigen Damen mit einem freundlichen Lächeln überholt.

Das Highlight für diesen Tag ist sicher das abendliche Grillen mit der gemütlichen Runde im Innenhof. Leider hält der Tag für einige arme Gestalten noch den Spüldienst bereit, doch danach sinkt die Meute zufrieden auf die Feldbetten.

(LA)

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26.07 - Suedlohn

Die Königsetappe beginnt mit einem Frühstart. Kunibert hat seinen Wecker auf 4.45 Uhr gestellt und Manfred fällt prompt darauf herein. Ohne den wirklichen Sonnenstand zu überprüfen, stürmt er an den Lichtschalter und sorgt für Festbeleuchtung. Erst als Vikar Kenkel ihn auf die Mitteleuropäischen Sommerzeit aufmerksam macht, kehrt in den Hallen noch einmal für gut eine halbe Stunde Ruhe ein.

Die versammelte Mannschaft geht mit gemischten Gefühlen auf die Reise, die zu Beginn erstaunlich gut verläuft. Es stellt sich als strategisch geschickt heraus, die vermeintlichen Schlusslichter an den Anfang des Feldes zu stellen und das Tempo machen zu lassen. So läuft es fast vier Stunden ohne Pause sehr gut, danach die erste kurze Rast, eine Stunde Gang, Pause, eine Stunde Gang, Mittagspause. Nach diesem lang ersehnten Break, bei dem einige Gestalten sich nur noch nach intensiver Fahndung wieder auffinden lassen, lichten sich die Reihen der Wandersleute deutlich, unter anderem muss Daniel widerwillig wegen schweren Fußdefekten die weiteren Kilometer im Bulli zurücklegen.

Als Außenstehender hätte man nach der Pause Zweifel am Geisteszustand der verbliebenen Schar anbringen können. Es wurde die These aufgestellt, es sei gerade 7.15 Uhr, und man sei gerade losgelaufen. Dementsprechend wolle man bis zur Mittagspause um zwölf Uhr gelangt sein, um dann die Etappe zu beenden. Ob eines solchen Selbstbetrugs wird noch schnell Michaels theologischer Rat eingeholt, ob Selbstbetrug unter eine Sünde fällt, doch dieser winkt ab. Somit steht diese Motivationsspritze und funktioniert überraschend gut. Am Ziel in Südlohn wird keiner der verbliebenen mehr ein halbwegs zuverlässiges Zeitgefühl mit sich tragen.

Bevor uns allerdings der wunderbare Anblick des Ortsschildes von Südlohn gegönnt ist, sind die obligatorischen Abenteuer durch unwirtliches Gelände zu bewältigen. Sobald eine Aussicht auf Abkürzung besteht, ist die Gruppe auch mit den unwirtlichsten Zuständen einverstanden. So werden locker einige hundert Meter durch Gelände gemacht, durch das vermutlich seit der Zeit Cäsars kein menschliches Wesen mehr einen Fuß gesetzt hat.

Dennoch läuft es sich erstaunlich gut, Siggi erkennt dabei allerdings Mängel an seiner Ausrüstung und kauft bei unserem Zwischenstopp in Stadtlohn kurzerhand neues Schuhwerk. Für Manfred ist nach dem Gebet der Non in der beeindruckenden Kirche von Stadtlohn Feierabend, die letzten Kilometer nach Südlohn nehmen nur noch neun tapfere Streiter in Angriff. Und tatsächlich, um 11.50 Uhr, pardon, 18.40 Uhr erreicht das Team die Stadtgrenze.

Für Andreas steht bereits am Abend nach Ansicht seiner Schuhe fest, daß er am morgigen Tag eine Ruhepause einlegen wird, die Wasservorräte in seinem Fuß sprechen eine deutlich Sprache. Aber auch andere Laufwerkzeuge zeigen deutliche Mängel in der B-Note. Während der Messe kommen direkte Neidgedanken auf den beschwingten Gang der etwas betagteren Nonne auf, aber sei es drum. Nach einem Abschlussbier winkt die Aussicht auf eine entspannte Nachtruhe.

(LA)

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27.07 - Dingden

Eingang in dieses Tagebuch sollte an dieser Stelle der morgendliche Ausspruch von Michael Kenkel erhalten. Nachdem der Wecker wie gewohnt um 5.15 Uhr die Träume jäh beendet, versucht der Vikar das anwesende Volk mit aufmunternden Worten zum Aufstehen zu bewegen: "Guten Moogäään, die ersten drei ins Bad." Reaktion: Keine. Auch der zweite Versuch bleibt ohne nennenswerten Erfolg, schließlich ertönt ein etwas Resignierendes: "Warum muss ich denn immer das Vorbild sein??!!"

Was folgen wird ist eine der schnellsten Touren, die in dieser Woche gelaufen worden sind. Böse Zungen behaupten, dass nach dem Ausscheiden der Nienaber-Brüder die beiden Tempobremser endlich von Bord gegangen sind und deshalb ein sensationelles Tempo angeschlagen werden kann. Zum Warmlaufen dreht der Kartenbevollmächtigte erst mal ein paar Runden um die Kreisverkehre Südlohns mit der Mannschaft, bevor auf Marschtempo eingeschwungen wird.

Anderswo geschehen aus Sicht der StVO äußerst bedenkliche Dinge. Das Tourtaxi mitsamt anhängendem Wohncontainer wird bis weit über die Nutzlast eines durchschnittlichen Tiefladers bepackt, doch am Ende ist das schier Unfassbare geschafft. Alle Fußkranken (Gaby, Kuni, Kathrin, Dieter, Manfred und Andreas) sowie das Küchen- und Taxiteam (Siggi und Annegret) finden Platz irgendwo unter Feldbetten verpackt. Ein rasches Stoßgebet zum Himmel verhindert eine Polizeikontrolle, was gewiss eine spaßige Geschichte geworden wäre.

Unterdessen lässt sich der verbliebene Rest der Pilger nicht von den dezenten Temperaturen abschrecken. Bereits um 8.30 Uhr zeigt das digitale Temperaturmessgerät 24° Celsius im Schatten. Diesen freundlichen Rahmenbedingungen muss als erstes Anne Marks Tribut zollen; nach zwölf Kilometern verwehren der Geist und die Füße zum vierten Mal ein weiteres zurücklegen von Kilometern. Nach weiteren zehntausend Metern ist auch für Thorsten der Tag gelaufen, simultan mit der Mittagspause.

Dabei überzeugt Timo einmal mehr mit Gelassenheit. Er lässt sich bei seinem Nickerchen durch nichts aus der Ruhe bringen, auch nicht durch ein herannahendes Erntefahrzeug. Erst im letzten Moment entscheidet er sich, kurz unter Protest seinen Platz zu räumen. Runde zehn Kilometer Luftlinie entfernt am Ziel der Etappe lässt Kuni seine ganze Fürsorge für die fußkranken Damen spielen. Nachdem sich die müden Kriegerinnen zu einem Nickerchen, an das sich der Gang zum Schwimmbad anschließen soll, auf ihr Lager niedergelassen haben, weckt unser Steuerfahnder die Damen mit den Worten: "Und vergesst eure Schwimmsachen nicht!"

Unterdessen nimmt die Pilgergruppe das Gottlieb-Wendehals-Motto auf: "Wir ziehen los, mit ganz großen Schritten." In Rekordzeit wird das Ziel angesteuert, als die Fußkranken das Freibad von Dingden verlassen, sehen sie nur noch den Kondensstreifen von Siggi am Horizont, ein Verfolgung ist unmöglich. Xantenrückt immer näher, zunächst geht es an das von Geburtstagskind Timo spendierte Freibier.

(LA)

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28.07 - Xanten

Die Nacht ist trotz "Kirmes" in Dingden gut überstanden, auch wenn sich die letzten Unentwegten erst um halb drei des Nachts zur Bettruhe begeben wollten. Das Ende naht immer mehr, dennoch soll sich die Schlussetappe noch einmal richtig hinziehen.

Irgendwie kommt die Gruppe nicht so richtig in Schwung, immer wieder muss eine Pause eingeschoben werden. Von der ursprünglich ausgegebenen Zeit (10 Uhr bei der Fähre) verabschiedet man sich in einem Waldgebiet.. Stattdessen durchqueren wir zu dieser Zeit ein Wildgehege und treffen die Überreste von dem, was Obelix vergessen hat. Reichlich Wildschweine düsen an uns vorbei oder kommen entgegen. Der Plan, einen Frischling für ein anständiges Spannferkelessen in den Rucksack zu stecken wird allerdings im Angesicht des herannahenden Keilers schnell wieder verworfen.

Dafür erreichen wir schließlich doch den Vater Rhein. An der Anlegestelle unserer Fähre kommt es, wie es kommen musste: Anne Marks nimmt ein kurzes Fußbad und landet prompt komplett im Wasser. Sei es drum. Die Angabe der Entfernung muss überarbeitet werden, weil hinter dem Deich nicht gleich der Dom steht, und wir so noch eine gute Drei-Viertel Stunde auf dem Weg in die Stadt Xanten sind.

Der Einzug in die Stadt wird zum vielbeachteten Triumphzug. Laudato Si erschüttert die Römerstadt in ihren Grundfesten und letztlich sind wir wirklich am Ziel dieser ersten Runde in Sachen Santiago de Compostella. Der Dom steht vor uns. Gestärkt durch das zweite Frühstück geht es zur Messe in die Krypta, wo auch Karl Leissner begraben liegt. Leider dürfen wir nicht während einer Hochzeit rein, man hat wohl gefürchtet, dass bei unserem Lobgesang der Putz von der Decke bröselt...

Danach geht es in die Bullis zur Rückreise, vorher noch schnell an einer Tankstelle vorbei, die kompletten Vorräte an kühlem Getränken geplündert, ein Blick auf die alten Errungenschaften der Römer und dann, ja dann wird zumindest im Gemeindebulli die Jukebox voll aufgedreht. Eine geniale Rückfahrt, auch wenn am Ende keiner mehr so ganz genau weiß, wie lange sie eigentlich gedauert hat, doch heimatlicher Boden ist endlich wieder unter den geschundenen Füßen.

(LA)

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22.06.2001 Lastrup 24 km - 23.06.2001 Handrup 36,1 km - 24.06.2001 Emsbühren 35,2 km - 24.06.2001 Gronau 33,8 km - 26.06.2001 Südlohn 39 km - 27.06.2001 Dingden 32 km - 28.06.2001 Xanten 18 km Gesamt 2001: 218,1 km - 23.06.2002 Geldern 23 km - 24.06.2002 Steyl 29 km - 25.06.2002 Heel 29 km - 26.06.2002 Born 25 km - 27.06.2002 Maastricht 26 km - 28.06.2002 Lüttich 29 km - 29.06.2002 Esneux 20 km - Gesamt 2002: 181 km - 20.07.2003 Glavier Station 25 km - 21.07.2003 Purnode 38 km - 22.07.2003 Givet 33 km - 23.07.2003 Couvin 34 km - 24.07.2003 Scourmont 21 km - 25.07.2003 Hirson 28 km - 26.07.2003 Le Fay 22 km - Gesamt 2003: 201 km - 31.07.2004 Marle 17 km - 01.08.2004 Laon 29 km - 02.08.2004 Soissons 42,5 km - 03.08.2004 Pierrefonds 34,5 km - 04.08.2004 Pont Saint Maxence 33,5 km - 05.08.2004 Baillon 31,5 km - 06.08.2004 St. Denis 34 km - 07.08.2004 Paris 15 km - Gesamt 2004: 236 km - 16.07.2005 Verrieres 25 km - 17.07.2005 Etréchy 31 km - 18.07.2005 Autruy-sur-Juine 32 km - 19.07.2005 Artenay 35 km- 20.07.2005 La Chapelle 31 km - 21.07.2005 Beaugency 25 km - 22.07.2005 Suervres 20 km - 23.07.2005 Chouzy-sur-Cisse 25 km - 24.07.2005 Chaumont-sur-Loire 10 km - Gesamt 2005: 234 km - 05.08.2006 Blèrè 32 km - 06.08.2006 Blèrè 0 km - 07.08.2006 Chambray lès Tours 37 km - 08.08.2006 Sainte Maure de Touraine 32 km - 09.08.2006 Châtellerault 42 km - 10.08.2006 Poirtier 33 km - 11.08.2006 Lusignan 32 km - 12.08.2006 Melle 28 km - Gesamt 2006: 236 km - Summe 2001 - 2006: 1306,1 km